Die Kunst des Ausruhens - Grundlagen der Achtsamkeits-Meditation
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Das Toleranzfenster
Spürvermögen für die eigene Belastbarkeit verbessern
Das Toleranzfenster frei nach Dan Siegel, “The Developing Mind”
"Jeder Mensch hat einen Bereich emotionaler und neuronaler Aktiviertheit, in der er/sie/es Emotionen/Reize entspannt genug erleben, verarbeiten und integrieren kann, ohne überwältigt zu werden."
Das ist unser 'Toleranzfenster' oder unsere Zone der 'optimalen Aktiviertheit‘“. Es ist der Bereich, in dem wir uns emotional regulieren können, uns sicher genug fühlen und Anforderungen begegnen können. Das bedeutet, wir können z.B. auch wütend oder traurig sein und gleichzeitig mit diesen Emotionen innerhalb unseres Toleranzfensters. Wenn Wut oder Traurigkeit ggf. für lange Zeit aktiviert bleiben oder in der Intensität eskalieren, kann das bedeuten, dass wir außerhalb unseres Toleranzfensters gelandet sind und vielleicht sogar Unterstützung brauchen; ob das z.B. psychotherapeutische Unterstützung sein könnte oder die Änderung kritischer Rahmenbedingungen in unserem Leben (Wohnen, Arbeit, Geld, Beziehungen) oder beides, das ist sehr individuell.
Im täglichen Leben kommen die meisten von uns auch immer mal wieder an den Randbereich unseres Toleranzfensters; an die Kipppunkte.
Wir reagieren als Menschen auf Einflüsse von außen wie z.B. Beziehungsdynamiken, Wohnbedingungen, finanzielle und medizinische Versorgung und ähnlichem und auch auf inneres Erleben (genau genommen passiert in unserem Körper/Gehirn ein dauernder dynamischer Abgleich von Bekanntem, schon Erlebtem, den Glaubenssätzen und Denklogiken unserer kulturellen und biographischen Prägungen und der Bedeutung, die wir dann letztlich dem Erlebten geben). Eine wilde Mischung aus Innen, Außen und dem Dazwischen.
Forschung von Neurowissenschafler*innen wie z.B. Lisa Feldmann Barrett bestätigt, dass Emotionen nicht einfach universell da sind und eben auftauchen. Sie werden in einer komplexen Mischung aus bewussten und unbewussten Bedeutungsgebungen quasi konstruiert. Konstruktionselemente sind wie schon erwähnt z.B. biographische Prägungen, körperliche und mentale Zustände, kulturelle Prägung oder Konditionierung. Chronischer Stress und auch Traumafolgen können unser Toleranzfenster sehr eng und klein machen. Gleichzeitig ist das Toleranzfenster dynamisch und kann immer wieder verändert und erweitert werden. Damit wir z.B. die Kraft finden, einen Weg aus toxischen Lebensumständen zu finden, negative Auswirkungen auf unsere körperliche und mentale Gesundheit abzuschwächen oder einfach, um unsere Lebensqualität zu verbessern, uns freier und lebendiger zu fühlen oder was wir halt anstreben.
In der Achtsamkeits-Meditation haben wir verschiedene Möglichkeiten, mit belastenden Emotionen und neuronalen Zuständen umzugehen. Was für uns jeweils situativ passt, ist sehr individuell und hängt damit zusammen, was überhaupt zugänglich für uns ist.
Es kann z.B. für eine relativ stabile Person möglich sein, eine belastende Emotion einfach zu beobachten; wo sie im Körper spürbar ist, welche Gedanken dazu kommen, wie sich die Emotion verändert im Lauf der Beobachtung, die Emotion zu benennen, sie anzuerkennen, sie mit liebevollem Mitgefühl zu versorgen und dann zurück zur Atem-Meditation zurückzukehren. Dieselbe Person könnte in einer Situation, wo ein traumatisches Erlebnis reaktiviert wird, mit dieser Methode überfordert sein, weil sie blitzartig aus dem Toleranzfenster geschleudert wird. Dann braucht es andere Methoden, um auf das Erlebte zu antworten.
Welche Methoden ggf. hilfreich sein können und was situativ Anzeichen von Grenzen sein können, dass Mediation oder andere Methoden nicht ausreichen, um uns zu helfen und zu schützen, werden wir Im Modul 3 genauer anschauen.
Wenn wir uns im Rahmen von z.B. Achtsamkeitspraxis mit unserem Toleranzfenster intensiver beschäftigen, lernen wir uns immer besser kennen und haben sehr wahrscheinlich im Lauf der Zeit mehr Einfluss-, Wahl- und Gestaltungmöglichkeiten.
Was weißt Du schon über dein Toleranzfenster in verschiedenen Kontexten: